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Der Vereinsvorstand im Interview: “Wir müssen ein Türöffner sein” PDF Drucken E-Mail
10.08.2009

 

Soziales Engagement im privaten Bereich zu zeigen, wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Im Interview verrät »Social Meets Culture«-Gründer Andrew Van Scoter, wie er auf die Idee kam den Verein ins Leben zu rufen. Und was er als wichtigste Säule der Vereinsarbeit sieht: Ein Türöffner zu sein, der sozialen Einrichtungen hilft sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren.
 

Hallo Andrew. Du hattest die Idee den Verein »Social Meets Culture« zu gründen. Was waren deine Beweggründe?
Bereits seit den Achtzigern spiele ich in Bands. Auf diesem Wege habe ich früh Erfahrungen mit dem Veranstalten von eigenen Konzerten gesammelt. Parallel dazu bin ich mit 17 Jahren zum ersten Mal mit einer Hilfsorganisation in die Slums von Tijuana in Mexiko gegangen. Nach meinem Zivildienst Anfang der Neunziger folgten noch weitere Einsätze mit diversen Organisationen.Als ich nach meinem Studium ins Berufsleben eingestiegen bin, habe ich den sozialen und kulturellen Fokus in meinem Leben etwas verloren. Vor ein paar Jahren hatte ich dann ein einschlägiges Erlebnis, dass mich aus der Bahn geschmissen hat. Ich hatte das Gefühl, dass ich danach mein Leben neu sortieren musste. In dieser Zeit kam mein Interesse für sozialen Einsatz und Kultur wieder verstärkt zum Vorschein. Ich habe angefangen ein Benefizkonzert zu organisieren, habe die Idee aber schnell verworfen. Das finanzielle und organisatorische Risiko machten es mir nicht möglich, das Projekt alleine zu stemmen. Freunde, denen ich davon erzählte, ermutigten mich aber immer wieder weiter zu machen. So kam mir die Idee, einen gemeinnützigen Verein zu gründen, der Benefizveranstaltungen organisiert. Mit einem Verein kann man das Risiko enorm minimieren.So ist »Social Meets Culture« entstanden.

Was sind die Ziele des Vereins?
Unsere Ziele sind erstmal: Kultur in jeglicher Form fördern und unterstützen und mit dem Gewinn soziale Projekte unterstützen. Quasi die Zusammenführung von sozialem und kulturellem Engagement. Wir möchten eine Platform schaffen auf der Künstler und soziale Einrichtungen zusammenkommen können und dem Benefizgedanken in jeglicher Form nachgehen können. Hier ist alles möglich: Von der Organisation von kulturellen Veranstaltungen, über die Vermittlung und Durchführung von kulturellen Workshops bis hin zu Einsätzen in sozialen Einrichtungen.


Was ihr macht, lässt sich unter dem Begriff des Sozialmarketing zusammenfassen. Wie schätz Du die Möglichkeiten einer sozialen Einrichtung ein, sich um ihr eigenes Sozialmarketing zu kümmern?

Es hängt von der Größe einer sozialen Einrichtung ab. Kleinere Einrichtungen haben ein begrenzte Möglichkeit an finanziellen Mitteln und Personal. Sie sind oft auf Spenden oder öffentliche Gelder angewiesen. Das sogenannte Fundraising bzw. die Öffentlichkeitsarbeit ist nur mit viel ehrenamtlichen Engagement möglich. Und hier fehlt oft das richtige Know-How. Meine Erfahrung zeigt, dass Sozialmarketing für kleine Einrichtungen nur sehr schwer möglich ist.


Deshalb habt Ihr als Verein mittlerweile auch Euren Wirkungskreis erweitert und beratet nun auch soziale Einrichtungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit?
Genau.
Ich denke, dass wir momentan immer noch primär ein Veranstalter von Benefizveranstaltungen sind. Aber immer mehr sehe ich uns auch in der beratenden Funktion. Als "Mittelsmann". Zum Beispiel jetzt gerade, bei einem Event, dass wir zusammen mit der Stiftung Leben organisieren .Eine Fragestellung, für die wir auch gerne Ansprechpartner werden wollen: Woher kann man überhaupt Gelder beziehen, wenn man Projekte plant?Wir lernen sowohl im sozialen Bereich, als auch im kulturellen Bereich und sammeln sehr viel Know-How an. Außerdem ist es großartig, dass viele unserer Mitglieder die Begabungen in die Vereinsarbeit mitbringen, die wir gerade brauchen, um zu wachsen. Und aufgrund der Projekte die wir verwirklichen, sammeln alle Mitglieder Erfahrungen, die sie dann wieder in die Gruppe miteinbringen können. Das ist ein enormes Lernen momentan. Das ist Wahnsinn, es überschlägt sich fast!Was mich auch begeistert, ist die Tatsache, dass unserer Mitglieder allesamt 100-Prozent hinter der Sache stehen und auch andere Leute anwerben und motivieren. Sie sehen, dass diese Arbeit Spaß macht. Und ich denke wir als Verein können einen Mehrwert für unsere Mitglieder bieten: Man kann etwas dazu lernen, dass auch im beruflichen Leben wichtig sein kann. Man muss beispielsweise Präsentationen vorbereiten, eine Sponsoring-Kampagne organisieren oder ein Team führen. Diese Fähigkeiten kann jeder Einzelne zurück ins Berufsleben nehmen. Ich glaube langsam sind wir an diesem Punkt angekommen.

 

Kommen wir zu einem anderem Thema: Wie siehst du momentan das soziale Klima in Deutschland, auch in Hinblick auf die Notwendigkeit eines Vereins wie »Social Meets Culture«?
Eine solche Arbeit wird immer wichtiger. Man sieht, dass die Firmen immer weniger helfen und Projekte unterstützen, weil sie auf Grund der wirtschaftlichen Situation weniger Budget für den sozialen Bereich bereitstellen können. Man sieht auch, dass der Staat relativ wenig bereitstellen kann, weil man in der Wirtschaft viel machen muss. Die Gelder die man dort verliert, hat man dann weniger für soziale Projekte.


Also sagst du, dass ein Verein wie Social Meets Culture hier eine Lücke schließen kann?
Allerdings. Schon allein durch die Möglichkeit mit unseren Events auf soziale Missstände hinzuweißen.
Ein Beispiel: Wie bereits erwähnt organisieren wir zur Zeit zusammen mit der Stiftung Leben, die sich für Menschen mit Mehrfachbehinderungen und Schwerstbehinderungen einsetzt, ein Benefizfestival.
Mir selbst war vorher auch nicht die Problematik bewusst, mit der Mehrfachbehinderte zu kämpfen haben. In unserer Gesellschaft fehlt schlicht und einfach eine Kategorie für diese Menschen. Per Definition gehören sie weder zu den Menschen mit geistiger, noch zu den Menschen mit körperlicher Behinderung. Sie bilden eine eigene Gruppe, die sich die Aufmerksamkeit von Förderstätten mühsam erkämpfen muss. Diese Erkenntnis nehme ich für mich mit.
Wenn wir als Verein der Stiftung Leben helfen in die Öffentlichkeit zu treten, dann helfen wir damit auch die Problematik der Menschen mit Mehrfachbehinderungen unserer Gesellschaft näher zu bringen. Ich glaube nicht, dass wir mit einem Festival finanziell bei dieser Problematik Abhilfe schaffen können, aber wir helfen den sozialen Einrichtungen, diese Missstände in die Öffentlichkeit zu bringen. Unsere Aufgabe ist es, der Türöffner zu sein für die sozialen Einrichtungen und ihre Anliegen.

 

 
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